Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle bei der Schwarzensteinalm im Oberen Zemmgrund, Zillertaler Alpen

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Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle bei der Schwarzensteinalm im Oberen Zemmgrund, Zillertaler Alpen
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  Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft,149. Jg. (Jahresband), Wien 2007, S. 181–198 N ACHWEIS   EINER   BRONZEZEITLICHEN  F EUERSTELLEBEI   DER  S CHWARZENSTEINALM   IM  O BEREN  Z EMMGRUND ,Z ILLERTALER  A LPEN Peter P INDUR * , Wien, Dieter S CHÄFER  und Roland L UZIAN ** , beide Innsbruckmit 9 Abb. und 1 Tab. im Text I NHALT Summary  .............................................................................................................181  Zusammenfassung  ..............................................................................................1821 Einleitung ......................................................................................................1822 Material und Methoden ..................................................................................1843 Der Fundplatz Schwarzensteinalm 1 (SA1) ....................................................1844 Diskussion .....................................................................................................1895 Schlussfolgerungen ........................................................................................1966 Literaturverzeichnis .......................................................................................196Danksagung ........................................................................................................198 Summary  Evidence of a Bronze Age Fireplace at the Schwarzensteinalm in the Upper Zemm-grund, Zillertal Alps (Austria) In the course of the interdisciplinary research projekt ‘HOLA – Evidence and  Analysis of Holocene Avalanche Events’ (Federal Research and Training Centre for Forests, Natural Hazards and Landscape) for the first time a Bronze Age fireplace could be proved for the area of the Zillertal Alps. Due to the findings of contemporaneous  fireplace, this result archaeologically confirms the massive human intervention into the sub-alpine forest of the Upper Zemmgrund determined by means of pollen analysis. * Ing. Mag. Peter P INDUR , Österreichische Akademie der Wissenschaften, A-1010 Wien, Postgasse 7/4/2; e-mail: peter.pindur@gmx.at, http://www.oeaw.ac.at/isr  ** a.Univ.-Prof. Dr. Dieter S CHÄFER , Universität Innsbruck, A-6020 Innsbruck, Innrain 52; e-mail: dieter.schaefer@uibk.ac.at, http://www.uibk.ac.at/geologie ; Mag. Roland L UZIAN , Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Land-schaft, A-6020 Innsbruck, Rennweg 1; e-mail: roland.luzian@uibk.ac.at, http://bfw.ac.at/index.htm  P ETER  P INDUR , D IETER  S CHÄFER   und  R OLAND  L UZIAN 182 The fireplace which has been found is on an open-country back to the north-east of the stables of the ‘Schwarzensteinalm’ at 2,185 m above sea level. It lies outside the Little Ice Age morains and within the area of climatically conditioned holocene timberline variations. The place of findings is characterised by an excellent open-country panorama in connection with access to potential water and wood resources. The fireplace is dated by means of the 14 C method in the time frame between 1,740 and 1,520 BC, the transition from the ancient to the middle Bronze Age; therefore it  falls into the so-called ‘Löbbenschwankung’. This is a distinct climatically depres-sion period marked by multiple great extentions of glaciers, comparable with those of the ‘Little Ice Age’. In addition, there could be gathered about 30 mountain-crystal objects – mainly debitages but also unambiguous flakes – in the area of the fireplace examined.  Zusammenfassung  Im Zuge des interdisziplinären Forschungsprojektes „HOLA – Nachweis und Analyse von holozänen Lawinenereignissen“ (Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft) konnte erstmals für das Gebiet der Zillertaler  Alpen der Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle erbracht werden. Mit diesem  Ergebnis findet der pollenanalytisch festgestellte massive Eingriff des Menschen in den subalpinen Wald des Oberen Zemmgrunds durch die zeitgleiche Feuerstelle seine archäologische Bestätigung. Der Fundplatz liegt auf einem Geländerücken nordöstlich vom Stallgebäude der Schwarzensteinalm auf 2.185 m. Er befindet sich außerhalb der neuzeitlichen Morä-nenwälle und innerhalb des klimatisch bedingten holozänen Waldgrenzschwankungs-bereiches. Der Fundplatz ist charakterisiert durch eine ausgezeichnete Geländeüber-sicht in Verbindung mit Zugänglichkeit zu potenziellen Wasser- und Holzressourcen.  Die Feuerstelle datiert nach der 14 C-Methode in den Zeitraum zwischen 1740 und 1520 v.Chr., dem Übergang von der älteren zur mittleren Bronzezeit, und fällt damit in die so genannte „Löbbenschwankung“. Dabei handelt es sich um eine ausgeprägte Klimaungunstphase die durch mehrfache Gletscherhochstände, vergleichbar mit denen der neuzeitlichen Klimadepression („Little Ice Age“), gekennzeichnet ist. Im Bereich der untersuchten Feuerstelle konnten zudem ca. 30 Bergkristallobjekte – hauptsächlich Trümmerstücke, jedoch auch eindeutige Abschläge – geborgen werden. 1 Einleitung Die Entdeckung von Silexartefakten aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit, 9500 bis 5600 v.Chr.) im Bereich des Tuxer Jochs, 2.338 m (B UNDESDENKMALAMT  1989) sowie weitere Fundplätze nördlich (z.B. Rofan, Loas Sattel, Sidanjoch; K OMPATSCHER  & K OMPATSCHER  2005) und südlich (z.B. Jochtal, Gsieser Törl, Staller Sattel; L UNZ    183 Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle im Oberen Zemmgrund 1986) des Alpenhauptkammes lassen vermuten, dass auch das Gebiet der Zillertaler Alpen im frühen Holozän begangen wurde.Ebenfalls im Bereich des Tuxer Jochs wurde – bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein bronzezeitlicher Gegenstand entdeckt (S TOLZ  1941). Dieser Fund gilt bis heute als einziger archäologischer Nachweis der Anwesenheit bronze-zeitlicher Menschen im Bereich der Zillertaler Alpen. Urkundlich belegt ist hingegen die Besiedlung des hinteren Zillertals im Zuge der bajuwarischen Landnahme, die im 6. Jh. n.Chr. einsetzte. Orts- und Flurnamen deuten aber bereits auf vorrömische (z.B. Zams, Zemm, Floite) bzw. römische (z.B. Furtschagl, Ingent, Gunggl) Siedlungsspuren hin (F INSTERWALDER  1934 und 1961, S TOLZ  1949).Durch die palynologischen Untersuchungen von W EIRICH  & B ORTENSCHLAGER  (1980) und H ÜTTEMANN  & B ORTENSCHLAGER  (1987) im Oberen Zemmgrund konnte erstmalig der pollenanalytische Nachweis der Anwesenheit des Menschen im hintersten Zillertal während der Bronzezeit (2000 bis 800 v.Chr., vgl. U RBAN  2000) belegt werden. Wei-terführende pollenanalytische Untersuchungen fanden in den Jahren 2002 bis 2004 im Zuge des interdisziplinären Forschungsprojekts „HOLA – Nachweis und Analyse von prähistorischen Lawinenereignissen“ des  Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums  für Wald, Naturgefahren und Landschaft   ebenfalls im Oberen Zemmgrund statt. Dabei wurden mehrere Sedimentbohrkerne aus dem Waldgrenzbereich entnommen und die drei hoffnungsvollsten von C. W ALDE  und V. W ILD  (H AAS  et al. 2007) analysiert. Mit den daraus gewonnenen neuen Erkenntnissen zur Nutzungsgeschichte – der Anwesenheit des Menschen mit seinen Nutztieren seit dem Neolithikum (Jungsteinzeit, 5600 bis 2000 v.Chr.) ab ca. 4100 v.Chr. im Waldgrenzbereich der Schwarzensteinalm – und den im Laufe der Jahre gesammelten Gebietskenntnissen konnte im Sommer 2004 von D. S CHÄFER , R. L UZIAN  und P. P INDUR  gezielt nach prähistorischen Feuerstellen bzw. Lagerplätzen im Bereich der Schwarzensteinalm und des Feldkars gesucht werden. Die Prospektoren wurden auf einer Kuppe im Feldkar, nordöstlich vom Stallgebäude der Schwarzensteinalm, fündig. Die Fundstelle – Schwarzensteinalm 1 (SA1) – wurde unter der Leitung von D. S CHÄFER  in den Jahren 2004 und 2005 analysiert. Über das Ergebnis dieser Untersuchung, den Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle und somit die archäologische Bestätigung des pollenanalytisch festge-stellten menschlichen Eingriffs in den Waldgrenzbereich des Oberen Zemm-grunds, wird im Folgenden berichtet (vgl. Abb. 1). Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebietes; zum Oberen Zemmgrund vgl. auch P INDUR  & L UZIAN  (2007)  P ETER  P INDUR , D IETER  S CHÄFER   und  R OLAND  L UZIAN 184 2 Material und Methoden Die methodische Grundlage für diese Untersuchung bildet die stratigraphische Ana-lyse von Böden. Dabei wurden mit einem Erdbohrstock (Typ „Geolog“, Fa. G RUBER ) im Bereich potenzieller Lagerplätze prähistorischer Jäger bzw. Hirten Bodenhorizonte nach dem Gehalt von markanten Holzkohlelagen untersucht. Im Fall eines positiven Befundes wurde die Vegetationsdecke geöffnet, ein Bodenprofil ergraben und die stratigraphischen Verhältnisse aufgenommen. Um die Brandschichten zeitlich einzu-ordnen, wurden Holzkohlepartikel entnommen und diese an der Universität Utrecht in den Niederlanden mithilfe der Radiokarbonmethode ( 14 C-Methode) datiert.Die Kalibrierung der 14 C-Daten erfolgte mit der Software OxCal Version 3.10  (2005) unter Verwendung der Kalibrierungskurve  IntCal04  (B RONK  R AMSEY  1995, R EIMER   et al. 2004). In der Tabelle 1 wurde der 1 σ -Bereich (68,2%-Wahrscheinlichkeitsbereich) und der 2 σ -Bereich (95,4%-Wahrscheinlichkeitsbereich) angegeben.Die Koordinaten für die Verortung der Fundstelle Schwarzensteinalm 1 (SA 1) wurden dem Projekt GIS entnommen (vgl. Abb. 3). Sie entsprechen dem BMN-M28 und weisen eine Genauigkeit von ±10 m auf. 3 Der Fundplatz Schwarzensteinalm 1 (SA1) Lage Ein Geländerücken nordöstlich vom Stallgebäude der Schwarzensteinalm er -wies sich bei der Prospektion als ergiebig. Es konnten mit der Sonde an mehreren Stellen kleinräumig verteilte Holzkohlehorizonte festgestellt werden. Eine der positiv befundeten Bohrpositionen – Schwarzensteinalm 1 (SA1) – wurde aufgegraben und analysiert.Der untersuchte Fundplatz SA1 liegt auf 2.185 m ü.d.M. (BMN-M28 x: 263505, y: 211417) etwa 380 m nordöstlich vom Stallgebäude der Schwarzensteinalm. Er be-findet sich knapp außerhalb der neuzeitlichen Moränenwälle des Schwarzensteinkees und rund 70 m über dem Talboden erhöht auf einer Kuppe. Diese Situation bietet heute einerseits einen perfekten Überblick über das eisfreie Gletschervorfeld des Schwarzensteinkees und andererseits einen (wald-)freien Blick talauswärts in Richtung Kastenklamm/Berliner Hütte bzw. Schwarzensteinmoor. Nördlich und östlich vom Fundplatz tritt Wasser infolge von Stauhorizonten an die Oberfläche und es haben sich mehrere kleine vermoorte Bereiche gebildet. Zudem befinden sich einige Wasserläufe in unmittelbarer Umgebung. Heute findet sich kein brennbares Material in der Nähe  185 Nachweis einer bronzezeitlichen Feuerstelle im Oberen Zemmgrund der untersuchten Lokalität. Auf das nächstgelegene Brennmaterial, junge Bäume bzw. Latschen, trifft man gehäuft im Bereich des Schwarzensteinmoors und somit etwa 800 m Luftlinie talauswärts vom Fundplatz SA1 entfernt (vgl. Abb. 2 und 3).Während ungünstiger Klimaphasen im Holozän (z.B. V EIT  2002) erreichte das Schwarzensteinkees mehrfach Ausdehnungen vergleichbar mit denjenigen der neuzeit-lichen Klimadepression (1600–1850 n.Chr.). Die neuzeitliche Maximalausdehnung des Gletschers, der heute in Abbildung 3 nicht mehr sichtbar ist, wird durch die schwarze Liniensignatur gekennzeichnet (H EUBERGER , in Vorbereitung). Weiters zeigt Abbildung 3, dass der untersuchte Fundstellenbereich im natürlichen, d.h. im klimatisch gesteuerten und nicht vom Menschen beeinflussten, Schwankungsbereich der Waldgrenze – und zwar an deren Obergrenze – liegt und dass während Klimagunstphasen im Holozän (z.B. P ATZELT  1999) hier mit lichtem Baumbestand und somit lokal vorhandenem Brennmaterial in unmittelbarer Nähe der untersuchten Lokalität gerechnet werden darf (vgl. Z WERGER  & P INDUR  2007).Abb. 2: Blick Richtung Westen auf den Geländerücken mit der bronzezeitlichen Fund-stelle SA1 (Foto: W. U NGERANK  2005)
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